What the Funk! Wo Berlin den Himmel berührt. 100 Jahre Berliner Funkturm
Der Berliner Funkturm wird 100 Jahre alt und die Messe Berlin feiert den Auftakt eines ganz besonderen Jubiläums in diesem Jahr.
Berlin ist gemeinhin nicht für Pathos bekannt. So war es nur folgerichtig, dass hier ein technisches Wunderwerk zunächst einen eher schlichten Spitznamen bekam: „Langer Lulatsch“.

Berliner Understatement. Der Berliner Funkturm, oftmals Eiffelturms kleiner Bruder genannt, misst dennoch stolze 147 Meter.
Am 3. September 1926 stand dieser Gigant bei seiner festlichen Einweihung zum ersten Mal im Rampenlicht: 135 Meter Stahlfachwerk, frisch verschraubt, silbern glänzend, ein bisschen Eiffelturm. Der Vergleich mit dem Pariser Wahrzeichen blieb nicht aus. Im Gegensatz zum großen Bruder an der Seine wirkte der Funkturm jedoch eher schmächtig. Walter Scheel soll den Funkturm bei der Eröffnung des ICCs daher als „mittlere Hausantenne“ verspottet haben. Die Berliner nahmen das gelassen zur Kenntnis. Größe sei ja bekanntlich relativ und Hauptsache, die Antenne stand während des Kalten Krieges auf der richtigen Seite der Stadt.
Vom Antennenträger zum Ausflugslokal
Inzwischen ragt der Turm nach Antennenwechseln und Umbauten 147 Meter in den Himmel. Doch zurück zum Anfang. Der fiel verhältnismäßig klein aus: Zunächst nämlich war der Funkturm nur als „Antennenträger“ für den Rundfunksender Witzleben konzipiert worden. Aber wenn da schon mal so ein Stahlskelett in den Himmel ragte, konnte man es auch um ein Restaurant und eine Aussichtsplattform erweitern. Binnen weniger Jahre wurde aus dem nüchternen Antennenträger ein schwebendes Ausflugslokal mit Schrägverglasung, von wo aus man Berlin aus der Vogelperspektive bewundern konnte. Die Technik dieser Zeit war der Zukunft noch nicht voraus. Und so war der erste Aufzug sehr gemächlich, dass die Fahrt in den Himmel eine gefühlte Ewigkeit dauerte.
Bald wurde nachgebessert. Heute schnurrt der Lift zügige vier Meter pro Sekunde nach oben ins Restaurant in rund 55 Metern Höhe oder noch einmal deutlich nach oben auf die Aussichtsplattform. Bereits in seinen Anfangsjahren aber war der schlanke Turm nicht nur Sendemast und Ausflugsziel, sondern leuchtende Litfaßsäule. Sage und schreibe 4.000 Glühbirnen strahlten in einer Wanderschriftanlage. Und so ging die Zeit durch das Stahlgerüst hindurch. Von hier oben aus schicke man 1929 erste Fernsehtestbilder in die Welt.
Ein Turm schreibt Geschichte
Und 1930 bekam der Funkturm sogar äußerst schlauen Besuch: An seinem Fuße eröffnete Albert Einstein die Funkausstellung. „Verehrte An- und Abwesende!“, so begann der Nobelpreisträger von 1921 seine Rede, mit der er sowohl die Menge vorm Funkturm als auch die Radiohörer adressierte. Einstein lobte die namenlosen Techniker als die wahren Demokraten, da sie den Rundfunk massentauglich gemacht hatten. Seine Rede kam einer kosmischen Akkreditierung des stählernen Riesen gleich: schlau, spitzzüngig und vorausschauend ironisch.
Ein paar Jahre später wurde das Restaurant durch ein Feuer fast zerstört und der Turm wurde dunkel. Während des Zweiten Weltkriegs beschädigte eine Granate den Turm und er stand von da an nur noch auf drei Beinen. Doch immerhin: er stand noch! Man dachte über Abriss nach, aber glücklicherweise nur kurz. Nach 1945 wurde der Turm, wie so vieles in Berlin, nicht restauriert, sondern liebevoll zusammengeflickt.

Glück gehabt. Nach dem Krieg sollte der Funkturm kurzzeitig weichen – stattdessen wurde er, ganz berlinisch, liebevoll zusammengeflickt.
In den Jahren der Luftbrücke übernahm der schlanke Turm nochmals eine wichtige Aufgabe: Er wies den Piloten den Weg nach Tempelhof. Damit fungierte er als eine Art Leuchtturm für die freie Welt. Kein Wunder, dass der Funkturm für viele (West-) Berliner zum Objekt des Heimwehs wurde: Auf der Avus schon von Weitem sichtbar, begrüßt er bis heute alle heimkehrenden Berlinerinnen und Berliner: ein Stahlgerüst als emotionaler Beweis dafür, dass man (wieder) zu Hause ist.
Glanz und Flair im Wandel der Zeiten
Auch das Restaurant wurde restauriert. Bis heute bestimmt das Flair der flimmernden Goldenen 1920er Jahre den Raum. Viele Promis genossen von hier die Aussicht auf die Stadt. Marlene Dietrich etwa feierte in den 1950er Jahren hier ihren Geburtstag. Noch heute erzählt man sich, was sie in das, leider nicht erhaltene, Gästebuch notiert haben soll: „Ich wollte immer hoch hinaus und jetzt habe ich es geschafft und feiere hier meinen Geburtstag.“

Seit 100 Jahren ein leuchtendes Wahrzeichen – der Berliner Funkturm heißt die Welt mit modernem Glanz willkommen.
Nun also feiert der Berliner Funkturm selbst seinen 100. Geburtstag. Der alte Stahlriese hat seine ursprüngliche Funktion und seinen inzwischen antiquierten Spitznamen längst abgelegt. Die Messe Berlin liegt ihm zu Füßen und ehrt ihren ältesten Kollegen mit einer glänzenden Kampagne: „What the Funk“. Der erhabene Berliner Funkturm steht stolz und leuchtet heute durch modernste LED-Strahler die Botschaft der Berliner Messe in die Welt: Willkommen in Berlin.
Was bringt das Jubiläumsjahr 2026?
Zum 100. Jubiläum rückt die Messe Berlin mit der Kampagne „What the Funk“ das Berliner Wahrzeichen neu ins Licht. Das Kampagnenmotto „What the Funk“ spielt bewusst mit Sprache, Erwartung und Berliner Humor. Es verbindet den Namen des Funkturms mit einem popkulturellen Twist – überraschend, selbstironisch und aufmerksamkeitsstark. Herzstück ist eine spektakuläre Lichtinszenierung, die den Funkturm am 20. März erstmals neu strahlen lässt.
Die Lichtshow wird im Jubiläumsjahr 2026 zu ausgewählten Anlässen gezeigt. Dazu zählen unter anderem Messen und Kongresse, die die Messe Berlin ausrichtet, sowie weitere Anlässe im Sommer und Herbst.

Speaktakulärer Auftakt. Der Funkturm strahlt in neuem Glanz zum geglückten Start ins Jubiläumsjahr.
Am 6. Juni 2026 steht der Funkturm ganz im Zeichen der Liebe und wird zum Standesamt in 55 Metern Höhe: Sechs Brautpaare geben sich das Ja-Wort – mit einem einzigartigen Blick über Berlin. Ausgewählt werden sie im Rahmen einer Radioaktion in Kooperation mit rbb 88.8, die das Jubiläum in die Stadtgesellschaft trägt.
In den Sommerferien lädt die Messe Berlin am 10. und 11. Juli sowie am 8. und 9. August zu historischen Funkturm-Führungen ein und gibt Einblicke in Geschichte und Architektur des denkmalgeschützten Turms.