Energiewende unterm Funkturm: Wie die Messe Berlin auf Sonnenstrom setzt
Auf den Dächern der Messe Berlin entsteht die größte Solaranlage Berlins. Sie liefert Strom für das Messegelände und ist wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Messe Berlin.
Auf den Dächern der Messe Berlin ist in den vergangenen Jahren ein neues Stück Infrastruktur entstanden: die größte Photovoltaikanlage auf Berliner Dächern. Seit Herbst 2023 wurde sie gebaut und ist ab Ende 2024 Hallendach für Hallendach ans Netz gegangen. Auf etwa 50.000 Quadratmetern – das entspricht etwa der Fläche von sieben Fußballfeldern – erzeugen knapp 18.000 Module für Strom aus Sonnenergie. Was von unten kaum auffällt, hat spürbare Auswirkungen auf die Energieversorgung des gesamten Geländes. So rechnet die Messe Berlin damit, mehr als ein Fünftel des eigenen Strombedarfs über den selbstproduzierten Solarstrom abdecken zu können. Sobald auf den Dächern mehr Energie produziert als verbraucht wird, speist die Messe die überschüssige Energie ins öffentliche Netz ein.

Auf den Hallendächern der Messe Berlin verteilen sich knapp 18.000 Solar-Module zur Stromgewinnung.
Sauberer Strom für das Messegelände
2026 ist das erste Jahr, in dem die Messe Berlin die volle Sonnenkraft an 365 (sonnigen) Tagen nutzen kann. Künftig werden – je nach Wetterlage – jährlich zwischen 6.000 und 7.000 MWh Strom auf den Dächern über dem Messegelände erzeugt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 1.700 bis 2.000 Haushalten. Oder dem Strombedarf von rund vier Ausgaben der Grünen Woche – inklusive Auf- und Abbauzeiten wohlgemerkt.
Der größte Teil des Stroms wird direkt vor Ort genutzt – für Veranstaltungen, Beleuchtung oder Gebäudetechnik. Überschüsse werden ins öffentliche Netz eingespeist. Für Energiemanager Hieu Mai ist die PV-Anlage ein wichtiger Schritt – aber nur ein Teil der Aufgabe. „Mein Job als Energiemanager ist es, den laufenden Betrieb zu optimieren und Einsparpotenziale zu identifizieren“, sagt er. Die PV-Anlage zahlt sich aus seiner Sicht bereits jetzt aus: Im Jahr 2025 war der CO2-Ausstoß der Messe schon rund ein Viertel kleiner als im Vorjahr. Die Einsparungen lassen sich laut Mai unter anderem auf den Sonnenstrom aus der PV-Anlage zurückführen. Aber auch die stärkere Nutzung des Pelletkessels, den das Unternehmen im Zuge einer Modernisierungsmaßnahme grunderneuert hat, leistet einen Beitrag zur Reduktion. Mit den neuen Anlagen konnte der Einsatz der gasbetriebenen Blockheizkraftwerke runtergefahren werden.

Hier können jährlich zwischen 6.000 und 7.000 MWh Strom erzeugt werden.
Mehr erneuerbare Energien im Einsatz
Parallel zur neuen Photovoltaikanlage wurde auch die Energieversorgung insgesamt umgestellt. Ein wichtiger Schritt war die Abschaltung der Blockheizkraftwerke. Gleichzeitig wurden erneuerbare Technologien ausgebaut und die Anlagen modernisiert. Hieu Mai sagt dazu: „Ich bin kein Fan von fossiler Energie und freue mich, dass wir unseren Anteil an erneuerbaren Energien deutlich erhöhen können.“
Ziel ist es, die Energieversorgung des Messegeländes Schritt für Schritt nachhaltiger aufzustellen. So war die Installation der Photovoltaik-Anlage für die Messe Berlin ein Anstoß, die betriebseigenen Blockheizkraftwerke abzuschalten, die auf Basis von Erdgas einen Teil der Wärme- und Stromversorgung auf dem Messegelände übernommen haben.
Ein Beitrag für ein klimafreundlicheres Berlin
Die Veränderungen auf dem Messegelände stehen in einem größeren Zusammenhang: Als Landesunternehmen ist die Messe Berlin Teil des Klimapakts der Stadt Berlin und leistet einen eigenen Beitrag, um das erklärte Ziel zu erreichen, bis 2045 als Stadt klimaneutral zu werden. Für Julia Ambrosy, Klimaschutzmanagerin der Messe Berlin, ist das ein wichtiger Rahmen für ihre Arbeit. Sie entwickelt aktuell die Klimaschutzstrategie des Unternehmens: „Die Dekarbonisierung ist ein zentrales Ziel unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir sehen uns in der Verantwortung, einen Beitrag zu leisten, damit das Land Berlin seine Klimaschutzziele erreicht“, sagt sie.

Julia Ambrosy entwickelt die Klimaschutzstrategie der Messe Berlin.
Derzeit wird viel in Bewegung gesetzt, um den CO2-Verbrauch zu senken: Von neuer Energieversorgung bis zum Einbau effizienterer Technik: Die Messe Berlin hat im Rahmen des Klimapakts bereits konkrete Maßnahmen definiert, um klimafreundlicher zu wirtschaften.
Durch die Modernisierung der Energieversorgung verändert sich auch, wie die Messe Berlin mit Wärme umgeht. Weil mehr erneuerbare Energien genutzt werden und die alten Blockheizkraftwerke abgeschaltet wurden, bleibt die zentrale Wärmeerzeugung künftig in den warmen Monaten weitgehend ausgeschaltet – in der Regel von Juni bis Ende August, je nach Wetter auch etwas länger. Das spart nicht nur Energie und Kosten, sondern reduziert auch den Einsatz fossiler Brennstoffe. Wichtig für den Veranstaltungsbetrieb: Wenn Wärme benötigt wird, kann die Versorgung innerhalb von 48 Stunden wieder hochgefahren werden. So muss auf unseren Veranstaltungen auch an kühlen Tagen niemand frieren.
Ein Prozess, der weitergeht
Die Photovoltaikanlage ist ein sichtbarer Schritt – aber nicht der einzige. Viele Veränderungen finden im Hintergrund statt und sorgen dafür, dass der Betrieb insgesamt effizienter und klimafreundlicher wird. Oder anders gesagt: Die Energiewende auf dem Messegelände ist kein einzelnes Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess.