Messe im Wandel: Vom analogen Besuch zur digitalen Eventwelt
Wie aus Bargeld und Papier-Tickets digitale Besucherströme wurden – und wie sich dabei Gebäude, Technik, Berufe und Messeformate verändert haben.
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Wer heute eine Messe besucht oder den Berliner Funkturm besichtigt, hat vieles schon vor der Ankunft erledigt: Das Ticket liegt auf dem Smartphone, Informationen zur Veranstaltung sind digital verfügbar und Abläufe lassen sich über Zeitfenster und digitale Systeme steuern. Für Michael Pfeiffer ist das längst Alltag. Er arbeitet seit Jahrzehnten bei der Messe Berlin und hat erlebt, wie sich nicht nur die Technik, sondern auch die Arbeit hinter einer Veranstaltung verändert hat.

Seit 35 Jahren ist Michael Pfeiffer bei der Messe Berlin tätig und hat dabei erlebt, wie sich Technik, Veranstaltungen und Arbeitswelt verändert haben.
Wie hat sich der Messebesuch verändert?
Als Bauingenieur Michael Pfeiffer bei der Messe Berlin anfing, begann ein Messebesuch häufig noch ganz analog. Tickets wurden an der Kasse gekauft und bezahlt, auf dem Gelände orientierte man sich mit Veranstaltungsplänen und Wegweisern.
Heute läuft vieles digital: Tickets werden online gebucht, per QR-Code vorgezeigt und Informationen kurzfristig über digitale Kanäle bereitgestellt. Für Messebauer wiederum sorgen eigens entwickelte Slot-Systeme dafür, dass Anlieferungen und Zufahrten besser koordiniert werden können und sich somit die Wartezeiten reduzieren.
Für Besucher:innen ist davon vor allem eines zu spüren: Der Messebesuch lässt sich heute deutlich stärker im Voraus planen.
Die komplexen Prozesse hinter einer Messe
Michael Pfeiffers eigene Geschichte beginnt allerdings nicht mit Digitalisierung, sondern mit Wasser. Eine seiner ersten Aufgaben war es, herauszufinden, wo Wasser in ein Gebäude eindrang. Eine scheinbar einfache Frage, die sich in der Praxis als erstaunlich kompliziert erwies. „Wasser hat immer den Weg gefunden, den du noch nicht kennst.“
Die Erfahrung ist für ihn bis heute sinnbildlich für die Arbeit auf einem Messegelände. Gebäude, Veranstaltungstechnik, Sicherheit und Logistik müssen funktionieren – gleichzeitig und unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Was Besucher:innen als fertige Veranstaltung erleben, ist deshalb das Ergebnis zahlreicher Prozesse, die im Hintergrund ineinandergreifen.
Spektakuläre Messeauftritte – gestern und heute
Dass sich auch die Art der Inszenierung verändert hat, zeigt eine Geschichte aus Michael Pfeiffers Messealltag besonders eindrücklich.
Bei einer Boot- und Freizeitmesse wurde ein VW Käfer in einem Pool versenkt. DLRG-Sicherheitskräfte begleiteten die Aktion, Kameras dokumentierten die Unterwasserszenen. Für das Publikum war es ein spektakulärer Moment. Für die Menschen dahinter bedeutete es vor allem: planen, absichern, koordinieren – und anschließend den Käfer wieder aus dem Pool bekommen.

Boots- und Freizeitausstellung 1954

Pool der Boots-und Freizeitausstellung 1962
Für Michael Pfeiffer steht die Aktion als Beispiel für eine Messewelt, in der außergewöhnliche Live-Inszenierungen noch stärker mit praktischer Improvisation verbunden waren.
Heute entstehen spektakuläre Messeerlebnisse häufig mit anderen Mitteln – etwa durch digitale Simulatoren, LED-Technik oder interaktive Anwendungen. Gleichzeitig sind Sicherheits- und Planungsanforderungen deutlich umfangreicher geworden.
Wie funktioniert die Technik hinter einer modernen Messe?
Ein Messegelände muss heute gleichzeitig flexibel, sicher und technisch hochentwickelt sein. Hallen werden innerhalb kurzer Zeit für unterschiedliche Veranstaltungen umgebaut und mit jeweils neuen technischen Anforderungen konfrontiert.
Besonders anschaulich wird das beim Brandschutz. Moderne Brandmeldesysteme reagieren sehr sensibel auf Rauch und andere mögliche Gefahren. Bühnennebel, der bei einer Veranstaltung Teil der Inszenierung ist, kann deshalb technisch wie ein Warnsignal wirken.
Michael Pfeiffer kennt dieses Spannungsfeld aus seinem Arbeitsalltag: „Für uns geht es längst nicht mehr nur darum, dass die Technik funktioniert. Wir müssen verstehen, was auf einer Veranstaltung passiert, welche Anforderungen eine Inszenierung mit sich bringt und wie wir beides sicher zusammenbringen.“
Damit hat sich auch seine Arbeitswelt verändert. Aus der klassischen technischen Betreuung ist eine Schnittstellenarbeit geworden, in der Technik, Sicherheit und Veranstaltungsplanung eng zusammenspielen.
Welche Berufe gibt es heute in der Messeorganisation?
Der Wandel zeigt sich auch in den Berufen auf dem Messegelände. Früher gab es eigene Werkstätten mit Schlossern, Malern und technischen Teams. Wenn etwas repariert oder gebaut werden musste, waren die entsprechenden Fachleute direkt vor Ort.
Heute ist die Arbeitswelt stärker spezialisiert. Neben technischen Berufen spielen Veranstaltungstechnik, Sicherheitskoordination, Eventmanagement und viele weitere Fachbereiche eine wichtige Rolle. Menschen mit technischem oder handwerklichem Hintergrund haben sich dabei ebenso weiterentwickelt wie die Aufgaben selbst.
Wie verändern sich Messen und Veranstaltungen?
Nicht nur der Messebesuch und die Arbeit dahinter verändern sich. Auch die Veranstaltungen selbst entwickeln sich weiter.
Lange standen große Maschinen, Fahrzeuge und andere physische Exponate im Mittelpunkt vieler Messen. Heute ergänzen zunehmend Begegnungsflächen, Networking und digitale Angebote die klassische Produktpräsentation.
Das zeigt sich besonders bei neuen Veranstaltungsformaten wie der FIBE oder bio:cap. Hier steht weniger das einzelne Exponat im Mittelpunkt als der Austausch zwischen Menschen, Unternehmen und Branchen.

Networking-Session im von Berlin inspirierten FIBE-Tiergarten (2024)
Die Messe wird dadurch nicht weniger erlebnisorientiert – das Erlebnis entsteht nur zunehmend durch Begegnung, Interaktion und unterschiedliche Formate.
Was bleibt trotz des Wandels?
Wenn Michael Pfeiffer auf seine Jahrzehnte bei der Messe Berlin zurückblickt, liegen zwischen seinen ersten Aufgaben und seinem heutigen Arbeitsalltag Welten: Wasserprobleme, spektakuläre Messeaktionen, digitale Tickets und hochentwickelte Sicherheitstechnik.
Was sich verändert hat, ist vor allem die Art, wie Messen geplant, gesteuert und umgesetzt werden. Geblieben ist die Aufgabe, Menschen zusammenzubringen und Veranstaltungen möglich zu machen. Dafür braucht es heute mehr denn je Menschen, die Technik, Organisation und Veranstaltung zusammen denken.

Eröffnungsrundgang der ITB Berlin 1972

Offenes Raumkonzept und Lifestyle-Aspekte im Fokus auf der FIBE 2024
FAQ
Wie hat sich der Messebesuch in Berlin durch die Digitalisierung verändert?
Der Zugang zu Messen war früher überwiegend analog: Eintrittskarten wurden vor Ort am Schalter gegen Bargeld gekauft und Besucher:innen mussten teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Heute werden Tickets digital gebucht, als QR-Code gespeichert und zunehmend mit definierten Besuchszeiten und digitalen Zugangssystemen verknüpft. Dadurch lassen sich Besucherströme gezielter organisieren und Abläufe effizienter steuern.
Wie haben sich die Inhalte und Formate von Messen verändert?
Während früher häufig physische Exponate wie Maschinen, Fahrzeuge oder technische Anlagen im Mittelpunkt standen, rücken heute bei vielen Formaten Begegnung, Austausch und Interaktion stärker in den Vordergrund. Veranstaltungen wie die FIBE Berlin oder die bio:cap zeigen diese Entwicklung: Nicht mehr allein das ausgestellte Produkt steht im Mittelpunkt, sondern auch das Gespräch und der fachliche Austausch darüber.
Ist der Wandel der Messe Berlin bereits abgeschlossen?
Nein. Es handelt sich um einen fortlaufenden Prozess. Die Messe ist gleichzeitig Infrastruktur, Arbeitswelt, technische Plattform und Bühne für internationale Veranstaltungen. Deshalb verändert sie sich kontinuierlich – durch neue Technologien, veränderte Arbeitsweisen, neue Veranstaltungsformate und wachsende Anforderungen an Organisation und Besucherführung.